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Sollten Sie zur Paartherapie gehen? 6 mögliche Gründe

Die Entscheidung, eine Paartherapie aufzusuchen, kann sich wie ein großer Schritt anfühlen. Zu allererst muss man sich dabei leider eingestehen, dass gewisse Dinge in der Beziehung nicht gut laufen. Auf der anderen Seite gibt es viele positive Aspekte, aber irgendwie tauchen immer mehr Konflikte in der Partnerschaft auf.
Sich in dieser Lage einem Psychotherapeuten anzuvertrauen, kann sich wie ein Scheitern anfühlen. Dazu kommt, dass es nicht leicht ist sich einer fremden Person anzuvertrauen – doch genau darin liegt eine große Chance! Daher steht die Idee, einen Paartherapeuten aufzusuchen, oft auf der Kippe, auch wenn einer oder beide Partner der Meinung sind, dass es eine gute Idee sein könnte.
Um den Prozess zu entmystifizieren, habe ich einige häufig auftretende Probleme skizziert, die darauf hindeuten, dass ein Paar möglicherweise davon profitieren könnte, jemanden zu sehen.

1. Auseinandersetzungen: Streitigkeiten werden immer häufiger.

Bemerken Sie, dass sich der Rhythmus Ihres Alltagslebens verschiebt, um sich konfliktorientierter zu fühlen? Vielleicht sind es alles „kleine“ Auseinandersetzungen, oder vielleicht sind die Ausbrüche riesig und hinterlassen eine Menge Drama. Wie dem auch sei, wichtig ist das Muster der Zunahme. Vielleicht ist es ein Ausbruch auf dem Bildschirm, bei dem einer von Ihnen persönlich etwas Hartes durchmacht. Aber es könnte auch ein Hinweis auf eine riskante Entwicklung hin zum ständigen Streiten sein. Wichtiger noch, es könnte auf bedeutende Probleme unter der Oberfläche hinweisen, die nicht wirklich behandelt werden.

2. Eifersucht und Fremdgehen: Das Vertrauen in den Partner ist gebrochen

Krankhafte Eifersucht und Vertrauensprobleme sind einer der häufigsten Gründe, eine  eine Paartherapie in Anspruch zu nehmen. Oder wenn es einen tatsächlichen Vertrauensbruch gegeben hat, ist das Bedürfnis nach Hilfe bei der Überwindung dieser Thematik groß. Vielleicht ist der Partner oder die Partnerin fremdgegangen, vielleicht war es eine emotionale Affäre mit einer anderen Person, oder vielleicht war es eine Reihe von Lügen oder Täuschung über Geld. In jedem Fall kann die Wiederherstellung der Vertrauensbasis oft dadurch unterstützt werden, dass ein Forum eingerichtet wird, in dem beide Parteien ihre Verletzlichkeit zum Ausdruck bringen können.

3. Kommunikation in der Beziehung: Gespräche ohne Ergebnisse

Vielleicht ist ein offener Konflikt nicht das Problem, aber Sie fühlen sich ständig missverstanden oder ignoriert. Oder vielleicht haben Sie das Gefühl, dass Sie nicht einmal eine gute Vorstellung davon haben, was mit Ihrem Partner in letzter Zeit emotional passiert; er oder sie könnte genauso gut ein Fremder sein. Oft ist eines der greifbarsten Ergebnisse der Paartherapie eine Zunahme der Kommunikation und eine wesentliche Verbesserung ihrer Qualität. Ein erfahrener Berater kann Sie mit Werkzeugen ausstatten, die Ihnen helfen, sich täglich viel besser miteinander zu verbinden, einander zu hören und zu verstehen.

4. Unzufriedenheit und Unsicherheit in der Beziehung: Etwas fühlt sich definitiv falsch an

Genau wie bei der Einzeltherapie ist die Paartherapie manchmal nicht nur zur Lösung von Problemen nützlich, sondern auch, um diese zu erkennen. Sagen wir, etwas in der Dynamik Ihrer Ehe hat sich verändert, aber Sie können es nicht wirklich beschreiben. Oder Sie fühlen sich mit Ihrem Partner nicht mehr so wohl wie früher. Oder Sie empfinden einen chronischen Groll gegen sie, sind sich aber nicht sicher, warum. Dies sind oft frühe Anzeichen dafür, dass die Interaktionen ungesund oder gestört werden. Das bedeutet nicht, dass eine Person schuld ist, sondern vielmehr, dass die Beziehung selbst eine Auffrischung gebrauchen könnte, und das Büro eines Therapeuten ist oft ein sehr nützlicher Ort, um diesen Prozess zu beginnen.

5. Narzissmus und Gaslighting: Wutausbrüche und Abwertungen

Mit einem Narzissten zusammen zu sein kann sehr schwierig und verletzend sein. Beispiele für narzisstische Wut und passiv-aggressive Handlungen gibt es zahlreiche. Wie sie diese Wut in den Griff bekommen, beziehungsweise sich besser dagegen schützen können, kann in einer Paartherapie oder Einzeltherapie erarbeitet werden.

6. Einer oder beide von Ihnen werden während eines Konflikts dysfunktional.

Aus John Gottmans Forschungsarbeiten wissen wir, dass der Umgang eines Paares mit Konflikten einer der besten Prädiktoren dafür ist, ob ihre Beziehung Bestand haben wird. Vielleicht schrecken Sie oder Ihr Partner ab, schlagen um sich, werden rachsüchtig oder passiv-aggressiv. Leider gibt es keinen Mangel an dysfunktionalen Möglichkeiten, mit Konflikten umzugehen – was das ursprüngliche Problem nur noch verschlimmert.

Sollte einer oder mehrere der aufgezählten Gründe auf ihre Beziehung zutreffen, empfiehlt es sich externe Hilfe durch einen Psychotherapeuten aufzusuchen. Eine Paartherapie kann viel Druck und Stress abnehmen, den die beiden Partner sonst alleine auf ihren Schultern tragen müssten.

Wenn Eifersucht zum Problem wird – was tun bei krankhafter Eifersucht?

Kennen Sie die Geschichte von dem Pärchen bei dem das eifersüchtige Verhalten des Freundes seine Partnerin davon abgehalten hat, fremd zu gehen und seine Eifersucht damit die Partnerschaft gerettet hat?

Ich habe so eine Geschichte noch nie gehört und ich vermute mal Sie ebenso wenig. Im Normalfall führt das Auftreten von eifersüchtigen Gefühlen in einer Beziehung zu schwerer Anspannung und kann in einem heftigen Streit enden.

Im Grunde geht es bei der Eifersucht um eine Verlustangst, nämlich die Angst davor den Partner oder die Partnerin zu verlieren. Eifersüchtig zu sein macht niemandem Spaß und das Gefühl der Eifersucht kann, wie alle neurotischen Ängste, auch nicht gesteuert werden.

In Wahrheit wird der eifersüchtige Partner zornig über dieses ohnmächtige Gefühl der Angst, den Partner zu verlieren und dieser Zorn wird dann häufig auf den Partner übertragen – nach dem Motto:

Du bist schuld daran, dass ich Angst habe!

Ohne diesem Zorn wäre der eifersüchtige Partner wohl dazu in der Lage seinem oder ihrem Partner mitzuteilen:

Ich habe Angst dich zu verlieren, und es macht mir Angst wie hilflos ich mich dabei fühle!

Dieses Eingeständnis würde es dem Partner erlauben auf den eifersüchtigen Teil der Beziehung einzugehen und zu beruhigen. Nur meist ist leider das Gegenteil der Fall und es wird mit Wut und Zorn reagiert – und der beschuldigte Partner geht in die Verteidigung und später über zum Gegenangriff.

Wird die Wut über die Ohnmacht, sich nicht gegen Eifersucht wehren zu können, auf den Partner auf diese Art übertragen treibt die Angst, den Partner zu verlieren, einen Mächtigen Keil zwischen die Liebenden. Diesen Keil zu überwinden benötigt dann enorm viel Kraft und Beziehungsarbeit.