Wenn Eifersucht zum Problem wird – was tun bei krankhafter Eifersucht?

Kennen Sie die Geschichte von dem Pärchen bei dem das eifersüchtige Verhalten des Freundes seine Partnerin davon abgehalten hat, fremd zu gehen und seine Eifersucht damit die Partnerschaft gerettet hat?

Ich habe so eine Geschichte noch nie gehört und ich vermute mal Sie ebenso wenig. Im Normalfall führt das Auftreten von eifersüchtigen Gefühlen in einer Beziehung zu schwerer Anspannung und kann in einem heftigen Streit enden.

Im Grunde geht es bei der Eifersucht um eine Verlustangst, nämlich die Angst davor den Partner oder die Partnerin zu verlieren. Eifersüchtig zu sein macht niemandem Spaß und das Gefühl der Eifersucht kann, wie alle neurotischen Ängste, auch nicht gesteuert werden.

In Wahrheit wird der eifersüchtige Partner zornig über dieses ohnmächtige Gefühl der Angst, den Partner zu verlieren und dieser Zorn wird dann häufig auf den Partner übertragen – nach dem Motto:

Du bist schuld daran, dass ich Angst habe!

Ohne diesem Zorn wäre der eifersüchtige Partner wohl dazu in der Lage seinem oder ihrem Partner mitzuteilen:

Ich habe Angst dich zu verlieren, und es macht mir Angst wie hilflos ich mich dabei fühle!

Dieses Eingeständnis würde es dem Partner erlauben auf den eifersüchtigen Teil der Beziehung einzugehen und zu beruhigen. Nur meist ist leider das Gegenteil der Fall und es wird mit Wut und Zorn reagiert – und der beschuldigte Partner geht in die Verteidigung und später über zum Gegenangriff.

Wird die Wut über die Ohnmacht, sich nicht gegen Eifersucht wehren zu können, auf den Partner auf diese Art übertragen treibt die Angst, den Partner zu verlieren, einen Mächtigen Keil zwischen die Liebenden. Diesen Keil zu überwinden benötigt dann enorm viel Kraft und Beziehungsarbeit.

 

Was ist der Unterschied zwischen Psychotherapeut, Psychologe und Psychiater?

Bei der Suche nach professioneller Unterstützung stößt man schnell auf eine der folgenden drei Berufsgruppen: Psychotherapeuten, Psychologen oder Psychiater. Aber an wen genau soll ich man sich richten wenn es darum geht professionelle Unterstützung für psychische Probleme zu erhalten?

Psychotherapie

Ein Psychotherapeut oder Psychotherapeutin hilft dabei psychische Thematiken und Probleme zu bearbeiten und Bewältigungsstrategien für diese zu erarbeiten. Die Psychotherapie hilft dabei die psychische Gesundheit zu verbessern und Thematiken wie zum Beispiel Depression, Narzissmus oder Angststörungen zu lindern. Die Berufsbezeichnung Psychotherapeut ist ein gesetzlich geschützter Titel und umfasst eine lange und intensive Ausbildung.

Psychologie

Psychologen sind in erster Linie in der Wissenschaft tätig und erforschen das menschliche Verhalten. Die Klinische Psychologie ist ein Spezialgebiet in der Psychologie und befasst sich vor allem mit der Diagnostik von psychischen Störungsbilder. Klinische Psychologen beschäftigen sich häufig, ähnlich wie die Psychotherapie, häufig mit der Diagnose, Beratung und Behandlung von psychischen Störungsbilder.

Was genau ist dann der Unterschied zwischen einem klinischen Psychologen und einem Psychotherapeuten? Ein deutlicher Unterschied lässt sich vor allem bei der Ausbildung dieser beiden Berufsgruppen finden. Der Ausbildungsschwerpunkt der Psychotherapie liegt vor allem in der Selbsterfahrung und Gesprächsführung, wo hingegen der Ausbildungsschwerpunkt der Psychologen mehr auf der wissenschaftlichen Ebene von Diagnosen liegt.

Psychiater

Ein Psychiater oder Neurologe ist ein ausgebildeter Facharzt welcher sich auf die Diagnostik und medizinische Behandlung von psychischen und neurologischen Krankheiten spezialisiert hat. Typischerweise verschreibt ein Psychiater dem Patienten Psychopharmaka welche die Symptome einer psychischen Störung lindern können. Dabei gilt es aber zu beachten, dass die eingesetzten Medikamente die psychische Störung nicht heilen sondern. Um die Ursache für die psychische Störung zu beheben sollte die Einnahme dieser Medikamente unbedingt mit einer Psychotherapie kombiniert werden.

Weitere psychische Heilberufe

Neben den bereits genannten Berufsgruppen gibt es noch weitere psychische Heilberufe wie zum Beispiel Coaches, Lebensberater und Mentaltrainer. Diese Berufsgruppen unterliegen keiner gesetzlichen Regelung und haben auch keinen zentralen Ethikrat wie zum Beispiel die Psychotherapie. Das heißt es gibt für diese Berufsgruppen keinen gesetzlichen Ausbildungsrahmen und es steht jedem frei sich diese Berufsbezeichnung selbst zu verleihen. Deswegen sind auch viele Coaches und Lebensberater darauf bedacht auf eine Zertifizierung hinzuweisen. Diese Zertifizierung wird von privaten Vereinen ausgestellt und ist ebenfalls nicht gesetzlich geregelt.

Männlicher Psychotherapeut oder weibliche Psychotherapeutin?

Die Entscheidung, ob man zu einem männlichen Therapeuten oder einer weiblichen Therapeutin geht, kann durchaus schwer fallen. Wenn wir uns ehrlich sind, hat so ziemlich jeder Mensch eine Präferenz welchem Geschlecht sie oder er sich lieber anvertraut.

Viele Menschen tendieren dazu einen gleichgeschlechtlichen Psychotherapeuten zu präferieren – die Gründe dafür sind vielfältig und würden wohl eine eigene Betrachtung verdienen. Dabei wäre es wohl für viele Menschen interessant, die Interpretationen und Beobachtungen eines gegengeschlechtlichen Psychotherapeuten zu erleben.

Besonders wertvoll kann es werden, wenn ein Widerstand gegen einen männlichen Therapeuten oder weibliche Therapeutin vorherrscht, denn genau dann ist eine Auseinandersetzung mit dieser inneren Spannung besonders lohnend.

Die eine richtige Entscheidung gibt es sowieso nicht, daher ist es wichtig, auf sein Bauchgefühl zu hören. Am besten vereinbaren Sie einfach ein psychotherapeutisches Erstgespräch, denn nach einem gegenseitigen Kennenlernen von Klient und Psychotherapeut fällt die Entscheidung gleich um einiges leichter.

Trend hin zum Minimalismus und weg von der wegwerfgesellschaft

Minimalismus ist eine nicht eindeutig definierte Lebensphilosophie deren Anhänger das einfache Leben bevorzugen. Ein Minimalist konzentriert sich auf die Sachen die er tatsächlich im Leben benötigt und trennt sich von Dingen die er als Ballast wahrnimmt. So gesehen kann der Minimalismus als Gegenbewegung zur Konsumgesellschaft gesehen werden.

Minimalisten kaufen und behalten demnach fast ausschließlich was diese tatsächlich fürs Leben benötigen. Durch diese Verringerung der Besitztümer haben Minimalisten weniger Angst diese zu verlieren und bleiben auch weniger ortsgebunden als andere Menschen. Vielleicht ist es gerade diese Flexibilität weshalb sich besonders häufig junge Menschen zu dieser Lebensphilosophie hingezogen fühlen.

Konsumgüter oder Statussymbole sind für minimalistische Menschen nicht die primäre Quelle für Lebensfreude oder Selbstverwirklichung und daher erhalten ausgefallene Erlebnisse einen viel höheren Stellenwert. Vielleicht streben Minimalisten gerade deswegen besonders häufig nach außergewöhnlichen Parties, Begegnungen und Abenteuern.

Von außen betrachten wirken Minimalisten auf viele Menschen geizig, mittellos oder gar faul. Dabei sind Minimalisten einfach sparsamer und genügsamer als der Durchschnitt. Durch diese beiden Eigenschaften halten sie unserer Konsumgesellschaft den Spiegel vor und zwingen uns zu einer Selbstreflektion die viele Menschen vehement ablehnen. Daher werden Minimalisten häufig Ziel für Spott und Hohn. Der Kabarettist und Politiker Roland Düringer ist ein gutes Beispiel für diese Abwertungen.

Ob Minimalisten wirklich glücklicher sind als andere Menschen sei dahingestellt, denn Minimalismus birgt auch weniger gute Kehrseiten in sich. Wenn die Suche nach Erlebnissen überhand nimmt wird dabei der Blick auf die Karriere oder Gesundheit schnell und langfristig verstellt. Der Starke Fokus auf das Erlebnis kann von wichtigen Themen im Leben ablenken. Die minimalistische Genügsamkeit kann unter Umständen auch mit Bequemlichkeit verwechselt werden und als Ausrede für fehlende Ambitionen missbraucht werden. Denn genügsam zu sein heißt nicht automatisch das Leben „schleifen zu lassen“.

Ich persönlich bin zwar kein Minimalist, dennoch finde ich diese Lebensphilosophie sehr spannend. Vor allem zeigt der Minimalismus auf wie viel Raum Konsumgüter in unserem Leben einnehmen. Vor lauter Streben nach weiteren Statussymbolen verlieren wir häufig die wirklich wichtigen Dinge aus den Augen. Darunter leiden unsere zwischenmenschlichen Beziehungen, Hobbys, und unser gesundheitliches Wohlbefinden.

Daher wäre es bestimmt kein Schaden wenn wir uns etwas näher mit Minimalismus auseinandersetzen. Vielleicht gelingt es uns dabei unsere Wohnungen zu entrümpeln – nicht um Platz für Neues sondern um Platz für unser Selbst zu schaffen.

Was haben Smartphones bei Konzerten verloren?

Immer mehr Konzertbesucher und Musiker zeigen sich von der Smartphone-Nutzung während eines Konzerts genervt. Doch was bringt so viele Konzertbesucher dazu ihr Smartphone in die Höhe zu halten?

Viele dieser Besucher fühlen sich unwohl ohne einem Smartphone in der Hand – wissen nicht wie sie sich bewegen sollen. Hält man das Smartphone hoch hat man eine Konstante an der man sich festhält.

Das ist so ähnlich wie die Flasche Bier auf der Tanzfläche. Man schwingt mit und muss das Bier dabei ruhig halten. So eine Tanzfläche ist ein hartes Pflaster und es kann leicht passieren dass man sich beim Tanzen unsicher fühlt. Mit der Bierflasche oder Zigarette beruhigen sich selbst, besonders diejenigen die unsicher sind was sie mit ihren Armen tun sollen.

Sichere Menschen werden das schwer nachvollziehen können und reagieren eher irritiert auf die Smartphone-User bei Konzerten – vor allem auch weil das Licht vom Display als störend empfunden werden kann.

Dazu kommt die Komponente dass man schöne Momente „aufbewahren“ und mit anderen „teilen“ möchte. Sowas auf Facebook oder Instagram teilen bringt Likes und Bestätigungen.

Dass viele Menschen dann ein Live Konzert über den Handy-Bildschirm mitverfolgen entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Kann man bei diesem Verhalten von einer Smartphonesucht sprechen? Dazu gehören noch weitere Faktoren wie ein exzessives Nutzungsverhalten. Vielmehr spricht dieses Verhalten von einer inneren Unsicherheit und dem fehlenden Kontakt zu seinen inneren Gefühlen. Über das Smartphone erlebt der Benutzer eine Situation distanzierter und schafft damit eine emotionale Barriere zwischen seinen Gefühlen und dem aktuellen Ereignis. Menschen die sich mit ihren Gefühlen wohlfühlen können den Moment für sich intensiver erleben und würden ein Smartphone bei einem Konzert oder einer Aufführung eher als Ablenkung erleben.

In meiner Psychotherapiepraxis erarbeite ich daher mit meinen Klienten einen natürlichen Umgang mit Medien und entwickle hilfreiche Strategien um mit der starken Anziehungskraft von Medien wie Smartphones, Internet, Pornographie und Serien zu bewältigen. Im weiteren Verlauf geht es dann vor allem um den Kontakt zu sich selbst und um das Hier und Jetzt.

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Hoffnung in einer Beziehungskrise

Beziehungen geben uns im Leben Halt und Geborgenheit. Schlittert unsere Beziehung in eine Krise kann es uns emotional den Boden unter den Füßen wegziehen und in ein tiefes Loch stürzen. Gerade weil wir unseren Partner so lieben verletzen uns die Kränkungen und Beschimpfungen vom Gegenüber enorm tief.

Manchmal erreichen Paare einen Punkt an dem die Wunden durch die zahlreichen Auseinandersetzungen und Eskalationen zu tief sind um eine konstruktive Basis durch Kommunikation und Mitteilen zu schaffen. Ist dieser Punkt erreicht befindet sich die Beziehung in einer Krise und benötigt dringend Unterstützung. Hier ist es oft hilfreich sich jemand außerhalb der Beziehung anzuvertrauen.

Schon ein einfaches Gespräch mit einem guten Freund oder Verwandten kann dazu verhelfen eine andere Perspektive zu bekommen. Wichtig ist dabei allerdings, dass sich das Gegenüber darauf einlassen möchte und gut zuhört. Tipps oder Lösungsvorschläge sind mitten in einer Krise oft nicht hilfreich und können dem Betroffen noch weiter verzweifeln lassen – vor allem wenn man die gut gemeinten Ratschläge bereits ohne Erfolg umgesetzt hat.

Im weiteren Verlauf sollte man auch für sich klären ob man noch Hoffnung hat und was der eigene Beitrag zu dieser Krise ist. Natürlich ist es verführerisch leicht dem Partner die Schuld zuzuweisen, allerdings sind an einer Beziehungskrise immer zwei Menschen beteiligt – das ist einfach Tatsache.

Wenn auch diese Schritte die Krise nicht besänftigen, empfiehlt es sich professionelle Unterstützung heranzuziehen. Das kann in Form einer Psychotherapie stattfinden, denn oft liegen die Wurzeln des Problems tiefer vergraben. Paartherapie bringt vor allem kurzfristig eine Entlastung und kann die Krise vorübergehend abkühlen. Im weiteren Verlauf empfiehlt es sich mit einer Einzeltherapie sich die vielen zerbrochenen Scherben näher anzuschauen und behutsam aufzusammeln um diese wieder zusammenzusetzen.

Kommunikation kann Beziehungskrisen vorbeugen

Man stelle sich folgendes Szenario vor: Ein Päarchen sitzt gemeinsam im Auto, die Frau ist am Steuer und der Mann sitzt am Beifahrersitz. Das Auto hält vor einer roten Ampel, plötzlich schaltet diese um auf grün, doch die Frau fährt nicht los. Woraufhin der Mann sagt:

„Die Ampel ist grün“

Dieser harmlos wirkende Satz trägt viele Aussagen in sich, denn unser emotionales Ohr hört den Mann sagen „Die Ampel ist grün, warum fährst du nicht los?“. So wird der Satz also als Kritik (am Fahrkönnen, der Aufmerksamkeit, etc.) verstanden. Diese Vorwurf „warum fährst du nicht“ kann dazu führen dass wir das Bedürfnis bekommen uns zu schützen.

„Die Ampel ist grün“ zeigt also wie schnell eine Aussage sein Gegenüber verletzen kann. Ist die Stimmung in einer Beziehung bereits angespannt, führen solche „Kleinigkeiten“ oft zu einer Eskalation die eine eigene Dynamik entwickelt und sich wie eine Spirale immer weiter in die Höhe schraubt. Kommt diese Spirale, bzw. Beziehungsdynamik in Fahrt ist es schwer diese aufzuhalten.

Hier hilft oft ein Schritt zurück um wieder die nötige Distanz zur Partnerin oder zum Partner zu bekommen. Eine einfache Antwort auf „die Ampel ist grün“ kann also wie folgt lauten:

„Was willst du mir damit sagen?“

Dieser Satz gibt dem Partner die Möglichkeit sein Bedürfnis möglichst offen und wertfrei mitzuteilen – und seine Bedürfnisse mit dem Partner zu teilen ist einer der Schlüssel für eine funktionierende Beziehung.

Behandlung bei Depression

Wir alle kennen den leichten Anfall depressiver Verstimmtheit, das ist Teil unseres Lebens und hat durchaus seine Berechtigung. Für manche Menschen ist der Zustand der depressiven Verstimmtheit jedoch Alltag, also ein Dauerzustand.

Gerade in so einer Situation neigen Betroffene besonders stark dazu ihr überzogenes Ich-Ideal, also die übertrieben Erwartungen an sich selbst, sich vor Augen zu halten. Gefühlt wirken diese Erwartungen an sich selbst völlig unerreichbar und dadurch, dass der Betroffene seine eigenen Erwartungen gefühlt nicht erfüllen kann setzt er dies mit seinem Versagen gleich.

Das führt unweigerlich zu starken Selbstzweifel und senkt gleichzeitig das Selbstwertgefühl, frei nach dem Motto „ich schaff ja nicht einmal die einfachsten Dinge im Leben“.

Was dem Betroffenen dabei nicht bewusst ist, dieses „Versagen“ liegt nicht am Mangel seiner Fähigkeiten. Im Gegenteil, denn unter normalen Umständen wäre der Betroffene sehr wohl in der Lage rechtzeitig aufzustehen, der Morgenroutine nachzugehen und den Alltag zu bewältigen. Doch in solchen Fällen leidet der Betroffene an einer Krankheit, der Depression. Vielen ist nicht bewusst, dass sie an einer Krankheit leiden, denn für gewöhnlich kennen wir nur eindeutige Symptome wie Fieber, Husten oder andere Schmerzen. Die Depression ist eine schleichende Krankheit die sich immer radikaler in das Gefühlsleben einmischt und den Betroffenen daran hindert die einfachsten Dinge im Alltag zu bewältigen.

Deswegen ist es wichtig sich einzugestehen Unterstützung bei der Bewältigung der Depression zu brauchen. Mit diesem Eingeständnis verringert sich der Druck den der Betroffene auf sich selbst ausübt und schafft wieder freie Kapazität für einen Neuanfang.

Eine psychotherapeutische Behandlung kann dabei Helfen Depressionen zu lindern indem man neue Perspektiven kennen und tiefe innere Konflikte besser verstehen lernt. Der erste Schritt eine Therapie zu beginnen ist oft der wichtigste, also zögern Sie nicht und vereinbaren ein kostenloses Erstgespräch.

Stigmatisierung der Depression

Der tragische Fall rund um den absichtlich herbeigeführten Absturz der Germanwings Maschine 4U9525 wirft aktuell viele Fragen auf. Wie und warum der Co-Pilot sich dazu entschlossen hat 150 Menschen mit in den Tod zu reißen ist die wohl brennendste davon.

In den Zeitungen war einiges über das psychische Leiden des Co-Piloten zu lesen. Er soll angeblich an Depressionen gelitten haben und unter anderem hätte er suizidale Gedanken geäußert.

Abgesehen vom fragwürdigen Umgang der Medien mit dieser sehr privaten Information finde ich es fast noch schlimmer für alle betroffenen Menschen, die an Depressionen leiden, wie diese aktuell unter Generalverdacht gestellt werden suizidal oder gar „selbtmörderisch“ zu sein.

Ich arbeite bereits seit einigen Jahren mit Menschen die an Depressionen leiden und kann dazu nur sagen dieses Leidensbild stellt KEINE Gefahr für andere dar. Ganz im Gegenteil, die meisten Menschen mit Depressionen richten ihre Aggressionen gegen sich selbst und möchten ihrem Umfeld nicht zur Last fallen (dabei fallen diese Menschen gerade durch dieses Verhalten allen Liebenden und sich selbst besonders stark „zur Last“).

Was der Co-Pilot der Germanwings  angerichtet hat bedarf einem riesigen Aggressionspotential und ein solches würde eine Depression nahezu unmöglich machen, wenn nicht sogar ausschließen.

Pränataldiagnostik: Fluch oder Segen?

Die Pränataldiagnostik (PND) beschreibt einen Komplex von Untersuchungen, die an Müttern und deren ungeborenen Kindern durchgeführt werden. Eine pränatale Diagnostik analysiert potentielle unerwünschte Defekte bei der Entstehung des Kindes und ermöglicht damit eine Entscheidung über den weiteren Verlauf der Schwangerschaft.

Die Pränataldiagnostik sucht während der Schwangerschaft nach Anomalien des Fötus, um diese frühzeitig behandeln und eventuell vorhandene Ängste der Eltern abbauen zu können.

Vom Prinzip steht die Pränataldiagnostik sämtlichen Menschen offen, die über ausreichend Kapital für die Untersuchungen und Zugang zu den humangenetischen Einrichtungen verfügen (vgl. Kitcher 1998, S. 217). So gesehen steht es Eltern zwar frei, diese Tests durchzuführen, doch letztlich stellt sich die berechtigte Frage, wie frei diese Entscheidung, objektiv betrachtet, tatsächlich ist und ob nicht auch ein gesellschaftlicher Druck auf den Eltern lastet, ein möglichst „gesundes“ Kind auf die Welt zu bringen.

Die Pränataldiagnostik kann für viele Eltern ein medizinischer Segen sein, denn diese ermöglicht es, Erbkrankheiten vorzeitig zu erkennen, was allerdings häufig zur Konsequenz führt, eine Schwangerschaft vorzeitig abzubrechen. Die in Europa häufig sinkenden Geburtenraten dürfte die Nachfrage nach Pränataldiagnostik in den nächsten Jahren noch weiter steigern. Demnach könnten Paare, welche „nur“ ein bis zwei Kinder planen, besonders großen Wert auf „gesunden“ Nachwuchs legen. Dazu gesellt sich der zunehmende Druck unserer Gesellschaft, welche immer mehr auf Leistung ausgerichtet ist. Stichwörter wie „Helikoptereltern“, welche wie das gleichnamige Fluggerät ständig in Sorge um den eigenen Nachwuchs herumkreisen, können als Symptom der „Leistungsgesellschaft“ gesehen werden. Angesichts dieser Entwicklungen liegt der Gedanke also nicht fern, dass Eltern einer theoretischen pränatalen genetischen Intelligenzdiagnostik sehr zugeneigt wären.

Betrachtet man die Pränataldiagnostik auf einer emotionalen Ebene, kann diese werdenden Eltern die Angst oder Sorge vor „unerwünschten“ genetischen Abweichungen nehmen und erhöht die Chancen auf ein gesundes Kind. Andererseits stellt die genetische Durchleuchtung vor oder während einer Schwangerschaft unser Selbstvertrauen in unsere natürliche Fortpflanzung in Frage. Bei einer näheren Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der Pränataldiagnostik erhält man schnell den Eindruck, es sei fahrlässig, keine Untersuchungen am Embryo während der Schwangerschaft durchzuführen und die Geburt ein gesunden Babys sei eine Art Glücksspiel.

Sollte das Testergebnis einer Pränataldiagnose einen Gendefekt aufzeigen, bleibt es den werdenen Eltern überlassen, ob sie die Schwangerschaft abbrechen oder das Kind zur Welt bringen. Dabei stellt sich oft die schwerwiegende Frage „wann ist ein Mensch lebenswert und wann nicht„? Diese Eltern stehen vor einer schwierigen Aufgabe und fühlen sich meist völlig alleine gelassen. Niemand kann ihnen die Entscheidung abnehmen und von allen Seiten, sei es von Ärzten oder Verwandten/Bekannten, prasseln persönliche Standpunkte auf sie ein. In solchen Fällen ist eine psychosoziale oder psychotherapeutische Betreuung in jeder Hinsicht empfehlenswert. Die Psychotherapie wird den Eltern die Entscheidung nicht abnehmen, aber ergründen welche Entscheidung wirklich zu diesen Menschen passt.